Presseerklärung der Jugendselbsthilfe Nürnberg zu den Ereignissen in Erfurt

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Schulen sind jugendgefährdende Orte


In den kommenden Jahren sind immer mehr spektakuläre, von den Medien ausgeschlachtete Gewaltfälle, so genannte "Amokläufe" zu befürchten. Todesfälle von Kindern auf der Flucht vor so genannten "Jugendhilfemaßnahmen" sind ebenso zu befürchten, wie Opfer unter Erwachsenen, die von Jugendlichen angegriffen werden, weil sie diese für ( mit-)verantwortlich an ihrer gesellschaftlichen Situation halten.

Es ist weiterhin zu erwarten, dass bei solchen Taten leider weitgehend tot geschwiegene und öffentlich uneingestandene, (aber nicht gerade unbegründete) "Bedürfnisse" nach Rache eine wichtige Rolle spielen. Der angebliche "Amoklauf" von Erfurt sieht aber eher wie ein gezielter Rachefeldzug aus. Tatsache ist, dass in Deutschland "Amokläufe" auffällig oft in Schulen stattfinden. Seelische und körperliche Demütigungen, Hänseleien und Gefühls- Kränkungen (z.B. bloss stellen "schlechter" Schüler vor anderen Schülern und Eltern, "sitzenbleiben", unfreiwilliges "von der Schule fliegen", aber auch die eigene Sexualität nicht zeigen und leben zu dürfen) stellen nicht ernst genommene, öffentlich unterschlagene Ursachen für die meisten rachebedingten Gewalttaten von Schülern an anderen Schüler- Innen und Erziehenden dar.

Diese blutigen Fälle, bis hin zu Mord und "Selbstmord", ereignen sich immer wieder im Zusammenhang und in der Folge ganz "normaler" und legaler pädagogischer Zurichtung und Auslese. Angriffe auf Lehrer- Innen und Mitschüler- Innen sind Zeichen, durch die Jugendliche leider viel zu spät über ihre seelische Misshandlung durch diese, sowie über ihre rechtelose, demütigende und hoffnungslose Lage Auskunft geben. In diesem Sinne sind sie (nicht ohne Grund) von der "bürgerlichen" Leistungsgesellschaft abgekehrte Erziehungsgewalt- Opfer, bevor sie selbst zu Tätern werden.

Viele aufgeschreckte Erziehende weigern sich hartnäckig, (ihren eigenen Beitrag zur) Gewalt der Erziehungsgesellschaft zum Thema zu machen. Sie sind selten in der Lage, ihre eigene oft verlogenen auf einer Doppelmoral aufgebauten "bürgerlichen" Lebensweisen zu hinterfragen und zu kritisieren. Sie sind nicht bereit, die Diskussion über die Ursachen des schrecklichen Geschehens in Erfurt so zu führen, dass ihre eigene "zivilisierte" Alltags- Maskierung zum Vorschein kommt und von ihren pädagogisch geschminkten Gesichtern entfernt werden kann.

Was die Erfurter Tat besonders grausig macht, ist dass vielen Menschen angeblich die Worte (die Informationen) fehlen

(sollen?),

die Taten erklärbar zu machen. Deswegen bedrohen solche Taten massiv unser eigenes "zivilisiertes" Selbstbild, das uns bisher das beruhigende Gewissen verlieh, so leben zu können wie wir leben - nämlich, wenn überhaupt zusammen mit Kindern, dann in Erziehungsgewaltverhältnissen....

Kaum jemand achtet darauf, wie in dieser Gesellschaft mit "Schwächeren"und ausgegrenzten Menschen umgegangen wird. Kinder werden in Deutschland zu tausenden von lieb gewonnenen Bezugspersonen wie Müttern oder Vätern, die sich getrennt haben oder von Freunden von Kindern brutal getrennt. Dies fällt nicht schwer, wenn die Person, die ein Kind nicht zum anderen Menschen gehen lassen will, das Sorgerecht", das "Umgangsrecht", bzw. das "Aufenthaltsbestimmungsrecht" ausüben darf. Bis es soweit ist, dass die Gerichte in der Regel noch immer einer Person (fast immer den Eltern oder dem Jugendamt) das "Sorgerecht", übertragen, müssen alle denkbaren Verleumdungen über die andere Person herhalten, um ihr Umgangsrecht (das Besuchsrecht und das Aufenthaltsrecht der Kinder !) einzuschränken oder zu zerstören. Auch im Spannungsfeld dieser Entrechtung, können Kinder und Jugendliche in "amokförmiger" Weise ausrasten, Gewalt gegen sich selbst oder andere richten, wenn ihnen z.B. eine Gerichtsentscheidung eine geliebte Bezugsperson nimmt.
Zauberer

folge Deinem Gewissen
und dem was
Du
siehst

aber nicht dem, was
die Leute sehen und über Dich
oder mich reden

um uns auseinander zu bringen

Die Leute schminken sich
um "Schönheit" und Verantwortlichkeit vorzutäuschen
aber nur von außen

Doch eine Seele läßt sich
niemals schminken

Die Erfurter Tat setzt einen vorläufigen Schlusspunkt unter die Auffassung, nur Erwachsene können Macht auf Kinder und Jugendliche ausüben und sie in extremen Konfliktsituationen direkt oder indirekt zu Tode bringen. Seit der Erfurter Tat müssen nun auch Erwachsene verstärkt damit rechnen, dass (von ihnen ?) erzogene Kinder Macht über sie bekommen und Angriffe gegen ihr Leben richten. Deshalb wird von vielen Medien die "beruhigende" Parole ausgegeben: "wir sind alle tief betroffen, aber wir verstehen diese Tat nicht, wir haben dafür nicht einmal die richtige Worte "und :"das Thema taugt nicht zum Streiten in Zeiten der Trauer und des Wahlkampfes". Die eher ungemütliche Wahrheit über die gegenwärtige Situation aber ist eher diese :

"Was man nicht begreifen oder zugeben will,
darüber darf nicht gesprochen werden"

Was auffällt, sind angesichts des Massakers in Erfurt die Versuche, die Taten des Amokläufers als "unerklärbar" hinzustellen. Die Medien verlangten regelrecht in erstaunlicher Übereinstimmung, keine Worte für die Gründe für die Handlungen des "Amokläufers" zu finden. Solche Täter sind das "leibhaftige" Böse schlechthin und ihre Handlungen, "die niemand erklären kann", " für die alle Erklärungen versagen", "deren Gründe wir nicht begreifen können", "sprechen für sich"...Ihre Taten "erklären" bereits alles, was sie sind. Und deshalb ist dennoch (bereits vor? und) nach ihrer Tat keine Krankheitszuweisung, keine Demütigung und keine Bestrafung zu hart.

Auch an Lösungsvorschlägen für Gewalt hat sich im Laufe der Jahre wenig geändert: Auge um Auge, schneller, härter und länger bestrafen und einsperren, jetzt: lebenslänglich verwahren und (z.B. in Frankreich demnächst?) die Todesstrafe. Dazu: mehr Kontrollen an den Schulen, mehr Beschneidung der Meinungs-und Pressefreiheit, usw.

Der "ganz normale" tagtägliche Erziehungsgewalt- Wahnsinn ist ein schwer wiegender Faktor für (die Entstehung von) Seelenmord und Mord, ausgeübt zuerst an und (in der Folge )von denen, die Erziehungsgewalt am wenigsten verkraften. Die Gewalttaten der "Amokläufer" werden von den meisten "Experten" in den Medien so dargestellt, dass die "harte Hand" der Erziehenden außerhalb und innerhalb von Schulen als Auslöser oder Motiv für derartige Racheakte überhaupt nicht zur Diskussion steht. Es spielt keine Rolle in der bisherigen Diskussion, wie brutal manche sensible oder "zerbrechliche" Jugendliche erzieherische Strenge empfinden und deshalb zunehmend auch entsprechend brutal darauf reagieren. "Die Schule muss auch Druck ausüben und die Lehrer können nicht immer nur nett sein" (Nürnbergs ehemaliger Stadtschuldirektor und zukünftiger Schulreferent).

Mit jedem spektakulären grausamen Verbrechen an (und von) Erwachsenen von (und an) Kindern und Jugendlichen ziehen (un-)verantwortliche Medien, Berufspolitiker und Psycholog- Innen ihren Profit aus der aufgeschreckten Öffentlichkeit.

Verschiedene an den gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen maßgeblich Mitbeteiligte

"Expert- Innen" aus dem Erziehungsbereich treten stets nach "Amokläufen" (ihrer eigenen Produkte?) als besorgte und fürsorgliche "Retter", "Helfer" und "Tröster" auf. Die unmittelbaren Rettungs - Heldentaten beherzter und mutiger Berufskollegen sind anerkennenswert, aber wer von ihnen legt den Finger auf die Wunden der Erziehung als mögliches und tatsächliches Gewaltverhältnis schlechthin, durch das sich derartige Tragödie überhaupt erst ereignen können?

Zur Ablenkung von der "peinlichen" Diskussion über Ursachen werden bundesweite Diskussionen über Gewaltvideos, Waffenscheine, "Schiessalter" und "natürlich" verstärkte Kontrolle, Sicherheit angeleiert. Mit Ursachenerkennung und Ursachenbehebung allerdings hat dies nichts zu tun! Im Gegenteil! Glaubt Herr Schily etwa, mit der Anhebung des "Volljährigkeitsalters" oder die Wiedereinführung von geschlossenen Heimen den Frust und den Hass von Jugendlichen vermindern zu können? Im Gegenteil: Frust und Gewaltreaktionen würden bei jedem noch stärkeren Eingriff in das Leben von Betroffenen noch heftiger werden! Das "Volljährigkeitsalter" müsste demnach logischerweise nicht heraufgesetzt, sondern herabgesetzt werden!

Es ist zu befürchten, dass anlässlich der spektakulären Gewalttat in Erfurt nun noch viel weiter gehende Befugnisse für Pädagog- Innen und Psycholog- Innen durchgesetzt werden sollen. Die "Durchpädagogisierung" des gesamten Tagesablaufs von Kindern und Jugendlichen zur Disziplinierung zur Kontrolle und Aufrechterhaltung von Schulzwang und Gewöhnung an fremdbestimmte Arbeit scheint das Ziel zu sein. So wird mit Gewalt ein Leben vorprogrammiert, das bis ins hohe Alter aus staatlich und pädagogisch vorgeschriebenen Abhängigkeiten und Arbeitszwängen bestehen soll.

Schule, Sozialarbeit und Psychologen erfahren mit jeder Gewalttat keine Abwertung, sondern stets eine neue Aufwertung ihres Vorgehens. Je nach Schwere der Taten einzelner Produkte der westdeutschen "Betonkopfpädagogik", an deren Folgen immer mehr Kinder und Jugendliche ausrasten, erfolgt die Zuweisung ihres Grades angeblicher "seelischer Abartigkeit" und "Verrücktheit" auf dem Fusse: "der Täter muss psychisch krank sein.","seine Gene haben einen Defekt", "gesunde Menschen aus guten Verhältnissen tun so etwas nicht."

Doch auch in so genannten "guten" Verhältnissen lässt sich der Hass auf eine oft als "übermächtig" empfundene "fürsorgliche Belagerung" nicht ständig verbergen. Hass wird, bevor er "explodiert", bei "gut erzogenen" Jugendlichen oft nur länger mit sich herumgetragen und in sich hineingefressen, als bei jenen, die aus so genannten "kaputten" Verhältnissen kommen. Das "gute Benehmen" in bestimmten Kreisen verlangt stets eine "freundliche Miene" zum bösen Spiel, zum inneren Gewaltaufbau aus HASS.

Abgesehen davon, dass jede Form von Gewalt und Mord - auch staatliche Gewalt - abzulehnen ist, darf die Diskussion über eventuell "unbequeme" Ursachen dafür nicht auch noch abgetötet werden. Die Angst von angesehenen Gesetzemachern und Persönlichkeiten in Politik und Gesellschaft ist zu groß, für ihren Beitrag zu den Gewalthandlungen einzelner Jugendlicher zur Verantwortung gezogen zu werden, als daß sie die Diskussion über institutionelle (behördliche und Staats-)Gewalt zulassen. Die Folge: die tagtägliche Programmierung von Frustration und Verletzungen von immer mehr Kindern und Jugendlichen kann nicht aufgedeckt und gestoppt werden.

Wie tief diese Verletzungen sitzen, kann Mensch daran erkennen, daß nicht einmal noch größere Katastrophen als in Erfurt, zum der New Yorker Massenmord, oder ein Krieg Anlass geben, die durch pädagogische Versklavung und Entmündigung eingeleiteten schweren Verletzungen von Kindern und Jugendlichen (nicht als "Einzelfall", sondern als massenhaft auftretendes Ereignis) zu erkennen und- wenigstens im eigenen Land - aufzuarbeiten und aufzuheben. Über eine grundsätzliche Gewalterzeugung und - Bereitschaft zig Tausender im Verhaltenskorsett von Zwangsfamilie und - Zwangsschule jahrelang festgehaltener und seelisch gefolterter "Minderjähriger" wird in der Debatte über die Ursachen von "Amokläufen" nicht gesprochen. ("Wer jetzt, angesichts des Massakers in Erfurt Worte findet und mit "vorschnellen" Lösungsvorschlägen daherkommt, handelt pietätlos (unfromm)." "Vielleicht gibt es ja im tiefsten gar keine Erklärungen." ( Letzteres geäußert von einem Pfarrer bei einem Gedenkgottesdienst in Erfurt)

"Normal" sein" heisst heute, gesellschaftlichen Erfolg um jeden Preis und auf Kosten anderer (im äussersten Fall auch über den Tod anderer) durchzusetzen. Was dies in absehbarer Zeit für die Erwachsenenwelt bedeuten könnte, dass sie all diejenigen entmündigt, und "links liegen lässt", die sich nicht in ihr normierendes Gewaltsystem einfügen, lässt sich nur ahnen. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, dass nun weltweit immer mehr "Versager" und "Looser" (Verlierer) nach "Erfurter Modell"ausrasten" und Rache nehmen...

Wer hat denn jemals vorher darüber geredet, was geschieht, wenn Kinder versuchen, aus den für sie unerträglichen Verhältnissen zu flüchten? Wer sprach je über ihren "vogelfreien" Status und den rechtsfreien Raum, in den sie fallen, wenn sie (un-)freiwillig die Schule ohne Abschluss verlassen (müssen oder) wollen oder versuchen, durch "Ausreißen" den Fesseln ihrer pädagogischen Gefangenschaft in Familien, Pflichtschulen und Heimen zu entkommen? Wer kennt die Kinder, die auf der Flucht vor dem Jugendamt oder vor dem Heim ums Leben kamen? Wer hat jemals über die mit Psychopharmaka voll gestopften Schulverweiger- Innen in den Psychiatrien und Erziehungsheimen gesprochen? Über den unfreiwilligen Rausschmiss aus Schulen und durch Einweisungen in Heime und Psychiatrien werden

ganze Lebensläufe zerstört.

Durchsetzung von gesellschaftlichen Erfolgserlebnissen und Anerkennung um jeden Preis ist die Devise. Wer nicht "mithalten" kann oder die Regeln in diesem brutalen "Spiel" nicht (aner-)kennt, bekommt selten Tipps und Alternativen aufgezeigt, wo sie /er auf nicht- pädagogische Weise aufgefangen werden könnte und wo und wie sie / er anders leben kann. Und dann wundern sich die Leute, wenn viele aus Verzweiflung und Ohnmacht zur Gewalt greifen!!

Statt sich darüber Gedanken zu machen, wie der brutale Verfolgungsdruck von Eltern, Polizei, "Jugendhilfe" und "Jugendschutz" auf schuleüberdrüssige aussteigende und "ausgerissene" Kinder und Jugendliche vermindert werden könnte, werden nicht professionelle Helfer und Unterstützer- Innen für diese Kinder mit Hetzkampagnen oder Kriminalisierung fertig gemacht. Gleichzeitig werden immer wieder Forderungen einer strafrechtlichen Sanktionierung (einer Bestrafung) von immer jüngeren Jugendlichen gestellt, sodaß ihr Überlebenskampf in völliger innerer Zurückgezogenheit oder auf der Straße sie zwangsläufig an den Rand der "Legalität" zwingt.

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Statt hier alles zu tun, damit Kinder und Jugendliche endlich die ihnen zustehenden Fluchtrechte und Freiräume bekommen, die derartige Gewaltakte gar nicht erst erzeugen, werden ihre pädagogischen Zwangsjacken von Tag zu Tag enger geschnallt. Der Leidensdruck der Betroffenen wird dadurch immer größer, weil - gefördert durch diese künstlichen und willkürlichen Eingriffe - die reale Sehnsucht nach Sinnlichkeit und Freiheit bei Kindern und Jugendlichen immer größer wird. Politiker fordern immer wieder, nach spektakulären Gewalttaten ein strafrechtliches zur Rechenschaft Ziehen schon von 12- jährigen und noch Jüngeren. Jugendlichen unter 14 wird eine Verantwortlichkeit für ihr Handeln nur dann zugetraut, wenn (weil) es um ihre Bestrafung, um die Einschränkung ihrer Freiheit und um die Aufrechterhaltung ihrer Machtlosigkeit geht, nie aber um die Einführung von Rechten, die ihnen mehr Selbsterfahrung, positive sexuell Erlebnisse, Unabhängigkeit und damit auch Selbstschutz vor sie bedrängenden Erwachsenen verschaffen könnten.

In Frankreich erklärte kürzlich der "links" orientierte Präsidentschaftskandidat Lionel Jospin im April 2002: "Ich lehne Straflosigkeit ab. Jede Straftat muss ihre Sühne finden." Das bedeutet eine tatsächliche strafrechtliche Verantwortlichkeit ab 0 Jahre! Um einen sofortigen Erziehungseffekt zu erzielen, sah Jospin für Kinder und Jugendliche gerichtliche Schnellverfahren und - wie Chirac- geschlossene Anstalten vor. Damit tritt die "Links"- Regierung in der Jugendpolitik und in der Strafjustiz bereits ganz offen in die Fusstapfen rechter Politiker, deren Forderungen zur Behandlung von "Kriminellen" ( insbesondere von "Sexualstraftätern") sich von denen der Rechtsradikalen kaum noch unterscheiden. .

Eine grundlegende Veränderung des Lern- und Schulsystems
sowie aller gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
zugunsten der freien Entfaltung von Kindern
und Jugendlichen muss endlich eingeleitet werden

Der "Flurschaden", den die Gesetzgebung gegenwärtig dadurch anrichtet, dass sie der heutigen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen voll hinterherhinkt und sie verleugnet, ist unermesslich. In den letzten zwei Jahrzehnten verbesserten sich die Möglichkeiten des Zugangs zu Informationen auch für Kinder und Jugendliche enorm. Dadurch hat sich auch eine zunehmende Bedürftigkeit "Minderjähriger" nach materieller Unabhängigkeit und sexueller Freiheit, zweifelsfrei auch bezüglich ihrer Fähigkeiten entwickelt, Verantwortung zu übernehmen.

Erziehende, "Jugendhilfe" und "Jugendschutzgesetze" behandeln Kinder und Jugendliche oft nach wie vor wie hilflose, kleine, dumme und unwissende Wesen, die vor jedem Zugang zu finanzieller und jeder anderen grundlegenden Eigenständigkeit und Freiheit "geschützt" werden müssten. Immer mehr Jugendliche sehen nicht ein, dass sie zu den Lebensbereichen, zu denen Erwachsene selbstverständlichen Zugang haben, keinen Zugang haben dürfen. Einer dieser Lebensbereiche ist die Sexualität, die immer mehr Jugendliche bereits in frühestem Alter heimlich kennen lernen, deren Befriedigung ihnen die Erwachsenengesellschaft aber offiziell vorenthält.

Welche Quelle des Hasses sollte größer sein und grausamere Formen von Gewalt auslösen, als diese? Der Fehler der Erwachsenengesellschaft besteht darin, dass sie diesen Ursprung des Hasses und das Ausmaß von Gewalt, das dadurch hervorgerufen wird, völlig ignoriert, verleugnet und .
unterschätzt

Solange Mut und Entschlossenheit fehlen, hier eine ganz neue grundsätzliche öffentliche Aufklärung und Diskussion zu beginnen, werden die spektakulären Fälle der Gewalt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dramatisch zunehmen. Wurde jemals eine Regierung dafür vor einen internationalen Gerichtshof geladen, angeklagt oder verurteilt, weil sie nicht unterscheiden will zwischen bestimmten emotionalen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen und "sexuellem Missbrauch" (und den Bedürfnissen von respektlosen Erzieher- Innen, ihnen vorzuschreiben und zu definieren, welche Bedürfnisse sie haben dürfen und welche nicht?

Wer Kindern und Jugendlichen ihre elementaren Rechte vorenthält und ihre Menschenrechte auf materielle Unabhängigkeit, auf selbstbestimmtes Lernen, auf Aufenthalts- Selbstbestimmung, auf Liebe, Geborgenheit, Erotik, Zuneigung, Sex und Zärtlichkeit mit Füssen tritt und mit körperlicher und "sexueller Abhängigkeit, Ausbeutung und Misshandlung" gleichsetzt, braucht sich über die Folgen nicht zu wundern.

Lehrer und Familienoberhäupter re(a)gieren teilweise wie "Feldherren". Allein schon die Sprache sogenannter "Experten" ("Du bist "minder"- jährig, "verhaltensgestört", "verwahrlost", "hyperaktiv", "aufmerksamkeitsdefizitär", "geistig behindert", "psychisch krank","unreif", "pervers", "Du brauchst keine eigene finanzielle Existenzabsicherung, Taschengeld reicht und das Kindergeld kassieren die Eltern" usw. usw.) was insgesamt ihre Arroganz, Übermacht, Gewaltfülle und Misshandlung gegenüber "Minderjährigen" zum Ausdruck bringt, verurteilt die Betroffenen zur Sprachlosigkeit. Deshalb reagieren viele von ihnen mit Wut, Hass, Rechtsradikalismus und Gewalt.

"Das "Wohl des Kindes" ist eine leere Floskel, in deren Namen jede Erziehungs - Gewalttätigkeit gerechtfertigt erscheint. Die Einführung des Begriffs "Kind" in Abgrenzung und Abhängigkeit von Erwachsenen" ist eine künstliche Erfindung des Industriezeitalters (Kapitalismus). Jugendämter, die obige Sprache pflegen, sind unseres Wissens erst vor 100 Jahren entstanden. Tatsache ist, daß sie im 3. Reich eine unsägliche, furchtbare Rolle gespielt haben.

Meist akzeptieren heutzutage viele Gerichte kritiklos von Jugendämtern angelegte Akten über Kinder und Jugendliche und leiten damit ungezählte Kinderschicksale ein. Die Kontrolle der Akteninhalte durch die Öffentlichkeit ist weitgehend ausser Kraft gesetzt. Auf ihre Ausgrenzung aus der Erwachsenenwelt reagieren viele Kinder und Jugendliche immer entschlossener. Wurde jemals von "Experten" über die Entstehung von Jugendgewalt dieser Aspekt öffentlich diskutiert?

Wenn es wahr ist, dass vielen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeiten genommen werden, ihre immer frühzeitiger erwachenden Bedürfnisse zu artikulieren und zu befriedigen, gibt es zu einem bestimmten historischen (geschichtlichen) Zeitpunkt kaum noch Chancen, einen daraus entstehenden "Flächenbrand" der gesellschaftlichen Folgen einzudämmen und zu löschen.

Der Text kann insgesamt kann von interessierten Zeitungen oder für private Flugblätter übernommen werden.
Eventuelle Änderungen oder Kürzungen müssen mit dem Herausgeber abgesprochen werden

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